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Von Genf zu Ihrer Lieferkette: Was Sie jetzt wissen müssen

Von Genf zu Ihrer Lieferkette: Was Sie jetzt wissen müssen

Das UN-Forum für Wirtschaft und Menschenrechte ist die weltweit größte Veranstaltung zum Thema verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln. In diesem Jahr trafen sich mehr als viertausend Menschen in Genf, um zu erörtern, wie Unternehmen in Zeiten rascher Veränderungen verantwortungsvoll agieren können. In den Gesprächen kam ein Punkt immer wieder zur Sprache: Unternehmen benötigen verlässliche Informationen aus der Praxis, um den steigenden Erwartungen gerecht zu werden und sich den Zugang zu den globalen Märkten zu sichern.

Für die Kunden von SCS ist dies der tägliche Alltag. Lieferketten werden durch den Klimawandel, Konflikte, die Mobilität der Arbeitskräfte, den Druck auf Land- und Wasserressourcen sowie sich wandelnde regulatorische Anforderungen geprägt. SCS arbeitet mit Produzenten an der Spitze globaler Lieferketten zusammen, darunter Plantagen, Erzeuger, Mühlen, Fischereien, Verarbeitungsbetriebe und Bergwerke – wichtige Orte, an denen die tatsächlichen Auswirkungen sichtbar werden. An diesen kritischen Knotenpunkten entlang der Lieferketten sind auch Arbeitskräfte aus den umliegenden Gemeinden beschäftigt, und dort werden Land und Wasser bewirtschaftet. Sie bergen Risiken, die aus der Ferne nicht zu erkennen sind. Unternehmen, die in diesen Umgebungen tätig sind, benötigen einen klaren Überblick über die Geschehnisse vor Ort, wenn sie das Vertrauen von Käufern, Regulierungsbehörden und Gemeinden aufrechterhalten wollen.

Warum sind diese globalen Gespräche wichtig?

Als ich SCS Global Services vielen Jahren in der Zivilgesellschaft zu SCS Global Services kam, brachte ich einen tiefen Respekt dafür mit, wie komplex vorgelagerte Betriebsabläufe funktionieren können. Mir war auch bewusst, wie schwer es für Unternehmen ist, genaue Informationen über soziale und gesellschaftliche Auswirkungen zu erhalten. Was mich an SCS faszinierte, war das Engagement des Unternehmens, bei Sozialaudits dieselbe Sorgfalt walten zu lassen, die es seit langem bei der Lebensmittelsicherheit und der Umweltzertifizierung an den Tag legt.

Dieses Engagement spiegelt sich nun in unserer Arbeit wider. SCS führt Audits nach mehr als 140 Standards durch. Über siebzig davon enthalten Anforderungen in Bezug auf Arbeitsrechte, Menschenrechte oder das Engagement für die Gemeinschaft.  

Freiwillige Nachhaltigkeitsstandards wie die Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA), der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), der Forest Stewardship Council (FSC), Bonsucro, Rainforest Alliance, Sustainably Grown, der Roundtable on Sustainable Biomaterials (RSB), SMETA Ethical Trade Audits, Fair Trade USA und der Aquaculture Stewardship Council (ASC) stützen sich alle auf unabhängige Bewertungen, um zu erfassen, was vor Ort geschieht.

Diese Programme dienen unter anderem dazu, den steigenden Erwartungen gerecht zu werden und die globalen Standards für Nachhaltigkeitsleistungen anzuheben. Das Konzept der verantwortungsvollen Unternehmensführung umfasst heute ebenso sehr den Menschen wie den Umweltschutz. Käufer, Investoren und Regulierungsbehörden wollen die Gewissheit, dass Verpflichtungen auch wirklich ernst gemeint sind. Diese Gewissheit erwarten sie von neutralen Dritten mit einschlägiger Erfahrung.

Wie können sich Unternehmen auf sich wandelnde globale Erwartungen vorbereiten?

Das Thema des diesjährigen Forums lautete: „Beschleunigung von Maßnahmen im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte in Zeiten von Krisen und Umbrüchen.“ Viele dieser Krisen sind den vorgelagerten Produzenten nur allzu vertraut. Unvorhersehbare Wetterbedingungen, gewalttätige Konflikte, Druck auf Land- und Wasserressourcen, steigende Nachfrage nach Mineralien für den Energiewandel sowie die Migration von Arbeitskräften erschweren den Betrieb in einer Zeit, in der die Erwartungen immer weiter steigen.

Die bedeutendsten Veränderungen sind regulatorischer Natur und vollziehen sich gleichzeitig in mehreren Regionen. Das regulatorische Risiko ist nicht mehr nur hypothetisch. In mehreren großen Volkswirtschaften sind Unternehmen mittlerweile verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltrisiken entlang der gesamten Lieferkette zu bewerten und zu mindern. Auch wenn sich die Fristen für die Einhaltung von Gesetzen wie der Entwaldungsverordnung der Europäischen Union (EUDR) noch verschieben können, ist die allgemeine Richtung klar. Weltweit steigen die Erwartungen.

Das betrifft nicht nur Europa; auch die Politik im asiatisch-pazifischen Raum und in Amerika spiegelt diesen Trend wider. Südkorea führt verbindliche Nachhaltigkeitsangaben ein, die sich an internationalen Standards orientieren. Kanada hat das Gesetz zur Bekämpfung von Zwangs- und Kinderarbeit in Lieferketten (Fighting Against Forced Labour and Child Labour in Supply Chains Act) verabschiedet, das von Unternehmen, die auf dem kanadischen Markt verkaufen, verlangt, über Risiken und ihre Maßnahmen zu deren Bekämpfung zu berichten. Neuseeland bereitet derzeit ein Gesetz gegen moderne Sklaverei und Ausbeutung von Arbeitnehmern vor, das voraussichtlich Sorgfaltspflichten enthalten wird. Und Indonesien hat eine nationale Strategie zu Wirtschaft und Menschenrechten verabschiedet, die strengere Sorgfaltspflichten fördert, insbesondere in Hochrisikosektoren wie Palmöl und Bergbau. Diese Rahmenwerke stehen im Einklang mit den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte sowie den Leitlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für multinationale Unternehmen zur verantwortungsvollen Unternehmensführung.

In all diesen Ländern lautet die Botschaft einheitlich: Unternehmen werden zunehmend aufgefordert sein, verantwortungsbewusste Praktiken anhand glaubwürdiger, unabhängig überprüfter Nachweise zu belegen. Die Zertifizierung bleibt eine der anerkanntesten und praktischsten Möglichkeiten, dies zu tun, insbesondere für vorgelagerte Produzenten, die globale Märkte beliefern.

Vom Praxisalltag ins Forum: Was uns Fachleute berichtet haben  

Auf dem Forum half SCS dabei, einen Dialog für Praktiker vor Ort mit Ruth Shah-Wigley von ARS IURA Consultancy Services und Jamie Burton von INNoVA Corp. zu organisieren, wobei Dr. Pichamon Yeophantong, Vorsitzender der UN-Arbeitsgruppe, die Eröffnungsrede hielt. Der Dialog bot denjenigen, die direkt vor Ort tätig sind, die Gelegenheit, offen über die Realitäten zu sprechen, mit denen sie konfrontiert sind, und darüber, wie die Qualität der Bewertungen verbessert werden kann.

Den SCS-Prüfern waren diese Berichte nicht unbekannt. Ein Beschwerdeverfahren mag auf dem Papier solide erscheinen, doch aus den Befragungen der Beschäftigten geht hervor, dass viele nicht darauf vertrauen, dass es vertraulich behandelt wird. Eine Vereinbarung mit der Gemeinde mag als abgeschlossen gelten, doch die Befragungen zeigen, dass die Menschen nach wie vor das Gefühl haben, dass die Frage des Zugangs zu Land noch nicht vollständig geklärt ist.

Solche Situationen kommen bei komplexen Abläufen häufig vor. Eine unabhängige Überprüfung dient dazu, sie aufzudecken. Wenn bei Bewertungen solche Lücken zutage treten, haben Unternehmen die Möglichkeit, die Ursachen zu ergründen und Probleme anzugehen, bevor sie sich verschärfen. Eine neutrale Überprüfung vor Ort verursacht keine Probleme. Sie schafft Klarheit über die tatsächlichen Gegebenheiten. Sie hilft Unternehmen dabei, gegenüber Käufern, Investoren und Aufsichtsbehörden zu zeigen, dass sie verantwortungsbewusst handeln.

SCS kann Ihr Unternehmen unterstützen

SCS-Prüfer sind in abgelegenen, von schlechter Netzabdeckung geprägten und politisch sensiblen Regionen in mehr als 125 Ländern tätig. Unsere Aufgabe besteht nicht darin, Probleme zu beheben, sondern ein klares und genaues Bild der Leistungsfähigkeit zu vermitteln und aufzuzeigen, wo Anforderungen erfüllt werden und wo nicht. Wir liefern Unternehmen die Informationen, die sie benötigen, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Diese Erkenntnisse helfen Unternehmen, Risiken frühzeitig zu erkennen, den Marktzugang zu sichern und den Geschäftsbetrieb vor unnötigen Störungen zu schützen. Zudem stärken sie das Vertrauen der umliegenden Gemeinden.

Das Forum machte deutlich, dass glaubwürdige, vor Ort gewonnene Informationen immer wichtiger werden. Die unabhängige Überprüfung wird auch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle für verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln spielen.

Möchten Sie mehr über unabhängige Überprüfungen erfahren? Dann nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Autor

Miriam Swaffer

Leitender Direktor, Soziale Wirkung