Vorbereitung auf die CSRD-Prüfung: Die Sicht eines Wirtschaftsprüfers auf doppelte Wesentlichkeit, Scope 3 und die ESRS-Bereitschaft
Was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen bei der Vorbereitung auf die CSRD-Prüfung?
Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen bei der Vorbereitung auf die CSRD-Prüfung ist die Datenerhebung. Viele Unternehmen werden aufgefordert, über Nachhaltigkeitsthemen zu berichten, die weit über das hinausgehen, was sie bisher gemessen, überwacht oder offengelegt haben. Dazu gehören häufig Informationen zu Umwelt, Soziales, Unternehmensführung und der Wertschöpfungskette, die möglicherweise in verschiedenen Funktionsbereichen des Unternehmens gespeichert sind.
Die Herausforderung besteht nicht nur darin, die Daten zu beschaffen. Unternehmen müssen zudem einen lückenlosen Nachweispfad führen, aus dem hervorgeht, woher die Informationen stammen, wem sie gehören, wie sie berechnet wurden und welche Belege dafür vorliegen. Für Unternehmen, die noch keine Erfahrung mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung haben, können diese Anforderungen überwältigend wirken, da sie oft die Zusammenstellung von Informationen aus den Bereichen Betrieb, Personalwesen, Beschaffung, Finanzen, Rechtsabteilung und von externen Lieferanten erfordern.
Aus Sicht der Wirtschaftsprüfung besteht eine der häufigsten Lücken nicht unbedingt in fehlerhaften Daten, sondern in unzureichender Dokumentation. Die Teams haben die Arbeit zwar durchgeführt und zu vernünftigen Schlussfolgerungen gelangt, können jedoch nicht eindeutig nachweisen, wie diese Schlussfolgerungen zustande gekommen sind. Wirtschaftsprüfer suchen stets nach Belegen, die die gemeldeten Informationen untermauern und es ihnen ermöglichen, die Entscheidungen der Geschäftsleitung nachzuvollziehen.
Wie können Unternehmen die Qualität und Zuverlässigkeit ihrer ESG-Daten verbessern, bevor sie eine Prüfung in Auftrag geben?
Prüfer können Unternehmen zwar nicht vorschreiben, wie sie ihre Berichtsprozesse verbessern sollen, aber sie können erläutern, worauf sie achten. Das wichtigste Merkmal ist die Nachvollziehbarkeit. Wirtschaftsprüfer möchten die gemeldeten Informationen direkt mit den Belegen verknüpfen. Bei Angaben zur Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter können dies beispielsweise Unfallberichte, Sicherheitsmanagementsysteme und Aufzeichnungen über Korrekturmaßnahmen sein. Bei Treibhausgasemissionen prüfen Wirtschaftsprüfer möglicherweise Rechnungen, Versorgeraufzeichnungen, Berechnungsdateien und die Dokumentation der Emissionsfaktoren. Eine solide ESG-Berichterstattung basiert auf wiederholbaren, dokumentierten Prozessen und nicht auf isolierten Berechnungen.
Welche Rolle spielen interne Kontrollen und Unternehmensführung bei der erfolgreichen Durchführung einer CSRD-Prüfung?
Interne Kontrollen sind ein wichtiger Faktor für das Vertrauen der Wirtschaftsprüfer. Wirtschaftsprüfer beurteilen, wie Daten in die Berichtssysteme gelangen, wer sie überprüft, wie Änderungen genehmigt werden und ob die Governance-Strukturen die Datenintegrität gewährleisten. Unternehmen mit klar definierten Rollen, dokumentierten Kontrollen und einer Aufsicht durch die Geschäftsleitung verfügen in der Regel über eine solidere Grundlage für die Prüfungssicherheit. Zwar können Wirtschaftsprüfer keine Empfehlungen zu konkreten Umsetzungsansätzen geben, doch gehören Governance und Kontrollen oft zu den ersten Bereichen, die im Rahmen von Prüfungshandlungen bewertet werden.
Wie können Unternehmen die Einhaltung der CSRD-Vorschriften nicht nur als regulatorische Verpflichtung, sondern als strategischen Vorteil nutzen?
Viele Unternehmen betrachten die CSRD zunächst als reine Berichtspflicht, doch sie kann über die reine Einhaltung der Vorschriften hinaus einen Mehrwert schaffen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung deckt häufig Möglichkeiten zur Energieeinsparung, zur Steigerung der betrieblichen Effizienz, zum Lieferantenrisikomanagement und zur Ressourcenoptimierung auf. Die „Double Materiality“-Bewertung kann aufkommende geschäftliche Risiken und Chancen identifizieren und so der Unternehmensleitung helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen und Nachhaltigkeitsinitiativen auf die Unternehmensstrategie abzustimmen. Unternehmen setzen zudem zunehmend auf freiwillige Berichterstattung, da die Erwartungen des Marktes und die Offenlegungen der Wettbewerber die Messlatte branchenübergreifend höher legen.
Wie können Unternehmen die Qualität und Zuverlässigkeit ihrer ESG-Daten verbessern, bevor sie eine Prüfung in Auftrag geben?
Das wichtigste Merkmal hochwertiger ESG-Daten ist die Rückverfolgbarkeit. Wirtschaftsprüfer möchten genau nachvollziehen können, in welchem Zusammenhang die gemeldeten Kennzahlen mit den zugrunde liegenden Belegen stehen.
Wenn ein Unternehmen Kennzahlen zur Arbeitssicherheit meldet, können die Prüfer Unfallberichte, Sicherheitsmanagementsysteme, Aufzeichnungen über Korrekturmaßnahmen, Schulungsprotokolle und Begleitunterlagen überprüfen. Wenn ein Unternehmen Treibhausgasemissionen meldet, können die Prüfer Versorgungsrechnungen, Aufzeichnungen zum Kraftstoffverbrauch, Berechnungsunterlagen, Emissionsfaktoren und Verfahren zur Managementüberprüfung überprüfen.
Unabhängig vom Thema bleibt die zentrale Frage dieselbe: Kann das Unternehmen darlegen, wie die Informationen zustande gekommen sind, und Belege für deren Richtigkeit vorlegen? Eine fundierte ESG-Berichterstattung basiert auf wiederholbaren Prozessen und nicht auf vereinzelten Berechnungen.
Welche Rolle spielen interne Kontrollen und Unternehmensführung bei der erfolgreichen Durchführung einer CSRD-Prüfung?
Interne Kontrollen und Unternehmensführung sind für erfolgreiche Prüfungsergebnisse von grundlegender Bedeutung, da sie dazu beitragen, Vertrauen in die Integrität, Vollständigkeit und Zuverlässigkeit der ausgewiesenen Informationen zu schaffen. Wirtschaftsprüfer bewerten nicht nur die Angaben selbst, sondern auch den Prozess, der zur Erfassung, Überprüfung, Genehmigung und Pflege der zugrunde liegenden Daten dient.
Organisationen sollten in der Lage sein, die Eigentumsverhältnisse, Überprüfungsverfahren, die Aufsicht durch die Geschäftsführung sowie die Strukturen der Rechenschaftspflicht darzulegen. Die Unternehmensführung ist häufig einer der ersten Bereiche, die im Rahmen einer Prüfung untersucht werden, da sie das Vertrauen in alle ausgewiesenen Kennzahlen beeinflusst.
Wie können Unternehmen die Einhaltung der CSRD-Vorschriften nicht nur als regulatorische Verpflichtung, sondern als strategischen Vorteil nutzen?
CSRD kann über die reine Einhaltung der Vorschriften hinaus einen Mehrwert schaffen. Der Berichtsprozess deckt häufig Möglichkeiten für Effizienzsteigerungen, Kostensenkungen, das Lieferantenrisikomanagement und eine verbesserte operative Leistung auf.
Die doppelte Wesentlichkeitsprüfung kann Einblicke in neue Risiken und Chancen liefern, die im Rahmen herkömmlicher Risikomanagementprozesse möglicherweise nicht erkannt wurden. Unternehmen, die die CSRD eher als Managementrahmen denn als reine Berichterstattungsmaßnahme nutzen, entdecken häufig Möglichkeiten für eine fundiertere Entscheidungsfindung und langfristige Wertschöpfung.
Doppelte Wesentlichkeit: Der Fokus liegt auf den Prozessen, nicht nur auf den Ergebnissen
Für Wirtschaftsprüfer ist in der Regel nicht so sehr das Ergebnis einer doppelten Wesentlichkeitsprüfung von Bedeutung, sondern vielmehr der Prozess, mit dem die Schlussfolgerungen erzielt wurden. Unternehmen sollten die Einbindung der Interessengruppen, die geprüften Nachweise, die berücksichtigten Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette sowie die Entscheidungsfindung klar dokumentieren. Während des gesamten Prozesses sollten sich die Teams die Frage stellen, wie sie ihre Schlussfolgerungen im Rahmen der Prüfung nachweisen und begründen können.
Welche Nachweise sind für Angaben gemäß ESRS E1 erforderlich?
Es sind keine perfekten Daten erforderlich, insbesondere bei Scope-3-Emissionen, bei denen oft Schätzungen notwendig sind. Organisationen sollten jedoch eine lückenlose Dokumentation der Datenquellen, Annahmen, Emissionsfaktoren, Methoden und Berechnungsansätze führen. Die wirksamste Absicherung eines gemeldeten Wertes ist ein vollständiger und transparenter Prüfpfad.
Aufbau der internen Kontrollen, die Wirtschaftsprüfer erwarten
Zu den wichtigsten Kontrollmechanismen zählen die Rückverfolgbarkeit der Daten, die Konsistenz der Methodik, dokumentierte doppelte Materialitätsprüfungen, formelle Risikobewertungen sowie Überprüfungsverfahren. Die Prüfer möchten sich davon überzeugen, dass Organisationen ihre Angaben konsistent reproduzieren können und etwaige Änderungen der Methodik im Laufe der Zeit erläutern können.
Übergangspläne erfordern mehr als nur Beschreibungen
Die Offenlegung von Übergangsplänen sollte durch dokumentierte Genehmigungsverfahren, die Aufsicht durch die Unternehmensführung, Klimaziele, Basisjahre, Methodiken, Richtlinien zur Neuberechnung, Szenarioanalysen, Umsetzungsmaßnahmen und Überwachungsaktivitäten untermauert werden. Organisationen sollten zudem Belege für Angaben zu Emissionszertifikaten, CO₂-Entfernungen und Netto-Null-Roadmaps aufbewahren.
Prüfungsbereitschaft vs. unabhängige Prüfung
Die Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Prüfung soll der Geschäftsleitung dabei helfen, Schwachstellen zu identifizieren und sich auf die künftige Prüfung vorzubereiten. Im Rahmen einer unabhängigen Prüfung werden die von der Geschäftsleitung bereitgestellten Informationen bewertet und es wird eine formelle Schlussfolgerung gezogen. Die Vorbereitung hilft dabei, Lücken zu identifizieren, während die Prüfung bewertet, ob die Berichterstattung fundiert ist.
Scope-3-Berichterstattung und Lieferantendaten
Unternehmen gehen über auf Ausgaben basierende Schätzungen hinaus und arbeiten zunehmend direkt mit Lieferanten zusammen. ESRS erkennt an, dass Schätzungen weiterhin notwendig sein werden, Unternehmen jedoch in der Lage sein sollten, Methodiken, Annahmen und Datenquellen zu erläutern. Die CSRD verlangt keine Daten von jedem einzelnen Lieferanten. Stattdessen sollte sich die Berichterstattung darauf konzentrieren, ausreichende Informationen zu erheben, um wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen zu verstehen und offenzulegen.
KI-Ethik und Datenschutz
Da sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung über Umweltkennzahlen hinaus ausweitet, könnten KI-Governance und Datenschutz zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wirtschaftsprüfer könnten Governance-Strukturen, Richtlinien, Kontrollmechanismen, Aufsichtsmechanismen und Überwachungsprozesse bewerten, bei denen der Einsatz von KI oder das Datenmanagement wesentliche Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit oder Risiken mit sich bringt.
Sind Ihre Nachhaltigkeitsdaten ausgereift genug für eine Prüfung?
Viele Unternehmen, die zum ersten Mal Bericht erstatten, befürchten, dass ihre Daten noch nicht ausgereift genug sind. In der Praxis sind Governance und Dokumentation oft wichtiger als perfekte Kennzahlen. Ein Unternehmen mit unvollständigen Daten, aber strengen Kontrollmechanismen schneidet bei der Prüfung möglicherweise besser ab als eines mit präzisen Kennzahlen, aber nur begrenzter Begleitdokumentation. Freiwillige Berichterstattung und Übungen zur Überprüfung der Praxis können dabei helfen, Schwachstellen noch vor der verpflichtenden Einreichung zu identifizieren.
Fazit
Unternehmen benötigen zwar nicht vom ersten Tag an perfekte Nachhaltigkeitsdaten, aber sie benötigen klare Zuständigkeiten, dokumentierte Methoden, nachvollziehbare Nachweise und vertretbare Prozesse. Unternehmen, die frühzeitig beginnen und sich auf Governance und Dokumentation konzentrieren, sind besser für eine erfolgreiche Einhaltung der CSRD-Vorschriften und deren Überprüfung gerüstet.