Die Lebensmittelindustrie im Sturm erobern: Non-GMO Project Verified
Autorinnen: Lucy Anderson und Evelyn Drawec
Ganz gleich, ob Sie große Bedenken hinsichtlich gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Lebensmitteln haben oder solche Bedenken für unbegründet halten – in einem Punkt sind sich alle einig: Lebensmittel mit „Non-GMO Verified“-Zertifizierung haben die Lebensmittelbranche im Sturm erobert. Das führende Öko-Label in diesem Bereich – der Schmetterling des „Non-GMO Project Verified“ – ziert mittlerweile die Verpackungen unzähliger Produkte in den Supermarktregalen, was zum Teil auf die Vorgabe von Whole Foods zurückzuführen ist, eine solche Zertifizierung zu verlangen.
Das ist kein Wunder. Im Jahr 2014 ergab eine Umfrage des „Consumer Reports National Research Center“, dass 70 % der amerikanischen Verbraucher angaben, GVO in ihren Lebensmitteln vermeiden zu wollen. Eine Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2015 ergab, dass 57 % der Befragten GVO in Lebensmitteln für unsicher halten, während nur 37 % sie für sicher hielten. Und im Jahr 2016 ergab eine Umfrage des Center for Food Safety unter wahrscheinlichen Wählern, dass 89 % eine Kennzeichnungspflicht für GVO-Lebensmittel oder Lebensmittel mit GVO-Zutaten befürworten.
Als technischer Administrator des Non-GMO Project haben wir die Aufgabe, Produkte zu bewerten, um ihre Übereinstimmung mit dem Non-GMO Project-Standard zu überprüfen. Daher dachten wir, es könnte hilfreich sein, Ihnen ein paar weitere Informationen darüber zu geben, was das alles bedeutet.

Was ist eigentlich ein GVO?
Das Non-GMO Project definiert einen GVO als „eine Pflanze, ein Tier, einen Mikroorganismus oder einen anderen Organismus, dessen genetischer Aufbau mithilfe von Methoden der rekombinanten DNA (auch als Genspleißen bezeichnet), Genmodifikation oder transgener Technologie verändert wurde. Diese relativ neue Wissenschaft erzeugt instabile Kombinationen aus pflanzlichen, tierischen, bakteriellen und viralen Genen, die in der Natur oder durch traditionelle Kreuzungsmethoden nicht vorkommen.“
Welche gentechnisch veränderten Pflanzen werden derzeit kommerziell angebaut?
Es ist schon fast verblüffend, wenn man bedenkt, dass sich die unzähligen Lebensmittelprodukte, die mit dem Label „Non-GMO Project Verified“ versehen sind, letztlich auf nur wenige Zutaten beschränken. Derzeit gibt es bei den kommerziell angebauten Nutzpflanzen nur sieben Sorten, die gentechnisch verändert sind: Luzerne, Raps, Mais, Papaya, Soja, Zuckerrüben und Zucchini/gelber Sommerkürbis. Zutaten aus diesen Pflanzen sind in unserer Nahrungsmittelversorgung weit verbreitet. Das Non-GMO Project stuft jede Zutat oder jedes Produkt, das eine der oben genannten Pflanzen enthält, als risikoreich ein. Darüber hinaus gelten einige der in der Lebensmittelproduktion und -verarbeitung verwendeten Mikroorganismen als risikoreich, wenn sie durch genetische Veränderung hergestellt wurden, und müssen bewertet werden.
Welche Eigenschaften sollen gentechnisch veränderte Pflanzen verbessern?
Obwohl eine Vielzahl vorteilhafter Anwendungsmöglichkeiten der Gentechnik angepriesen wird, wie etwa die Senkung des Wasserverbrauchs und die Erhöhung des Vitamingehalts, sind die häufigsten gentechnisch veränderten Merkmale Herbizidtoleranz (bei Mais, Soja, Raps, Luzerne und Zuckerrüben), Insektenresistenz (bei Mais und Baumwolle) sowie Virusresistenz (bei Papaya und Zucchini/Kürbis).

Welche Produkte fallen unter diese Norm?
Hier sind einige gängige Produkte, die derzeit nach dem Standard des Non-GMO Project geprüft werden:
Produkte tierischen Ursprungs und Bienenprodukte: Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch und Honig werden danach bewertet, welche Nahrungsmittel die Tiere zu sich nehmen. Ein erheblicher Teil des angebauten gentechnisch veränderten Maises, Sojas und Luzernes wird als Tierfutter verwendet. Bienen können in der Nähe von GVO-Anbauflächen nach Nahrung suchen, und Zuchtfische laufen Gefahr, GVO-Futter zu verzehren.
Verarbeitete Produkte: Viele Limonaden und Süßigkeiten enthalten Maissirup, der aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt wird. Kleidung wird oft aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt.
Lebensmittelzusatzstoffe: Viele verarbeitete Produkte wie Brot, Extrakte aus Mais-Ethanol, alternative Milchprodukte und Vitamine können mit gentechnisch veränderten Zutaten und Zusatzstoffen hergestellt werden.
Alkohol: Bei der Herstellung von Bier und Wein werden Hefen verwendet, die gentechnisch verändert sein können, und einige hochprozentige Spirituosen wie Whisky und Wodka können aus Mais gewonnen werden.
Wie wird der Status „ohne Gentechnik“ überprüft?
Konforme Unternehmen müssen nachweisen, dass sie Maßnahmen ergreifen, um das Risiko einer GVO-Kontamination durch risikobehaftete Ausgangsstoffe und Zutaten zu verringern. Zu den Bewertungskriterien zählen: Rückverfolgbarkeit, Trennung, Risikobewertung, Untersuchung von risikobehafteten Ausgangsstoffen und Qualitätsmanagement. Die Norm schreibt zudem vor, dass genetische Untersuchungen an kritischen Kontrollpunkten von einem zugelassenen, nach ISO 17025 akkreditierten Labor durchgeführt werden müssen, um sicherzustellen, dass die „Aktionsgrenzwerte“ nicht überschritten werden.
Gerne beantworten wir weitere Fragen zu diesem Thema. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ned Halaby.